„Spielen macht Spaß“ finden rund 70 Prozent der älteren Computernutzer laut einer Umfrage von Feierabend.de, einem der größten deutschen Treffs im Internet für „Menschen in den besten Jahren“. Befragt wurden 1.184 „Silver Surfer“ im Alter von durchschnittlich 61 Jahren. Diese Zahlen belegen, dass die ältere Generation immer größeren Gefallen an Computerspielen findet. Und wer Ende der 1970er, als die ersten Konsolen in Mode kamen, um die 30 Jahre alt war, zählt nun ohnehin zu den „Silver Gamern“.
Spaß, geistige Fitness und Entspannung sind nur drei Gründe warum immer mehr Menschen ab 60 ihre Zeit mit Computerspielen verbringen. Dabei haben die „Silver Gamer“ klare Präferenzen bei den Spielgenres: Denken, Action, Wissen, Lernen – das sind Dinge, die sich Seniorinnen und Senioren von einem Computerspiel wünschen. Kriegerische Metzelspiele und alles, was irgendwie mit Ballern zu tun hat, sind in der älteren Generation, die zum Teil noch den Zweiten Weltkrieg kennen gelernt hat, dagegen ziemlich verpönt.
Mit weitem Abstand vorn in der Beliebtheit liegen laut der Umfrage von Feierabend.de anspruchsvolle Strategie-, Brett- und Denkspiele (63,5 Prozent); bei 57,1 Prozent stehen Quizze, Lernspiele und Gehirn-Jogging ganz oben in der Gunst. Auf Platz drei folgen Geschicklichkeitsspiele, mit denen sich 48 Prozent auseinandersetzen. Etwas abgeschlagen folgen auf Platz vier Adventure-, Abenteuer- und Actionspiele – nur 15,4 Prozent begeistern sich hierfür.
Else Meyer hatte sich zunächst erfolgreich gegen Computerspiele gewehrt. „Ich hatte schon meine Mühe, um überhaupt mit dieser ganzen Technologie zurecht zu kommen“, erinnert sich die pensionierte Lehrerin, die noch vor zehn Jahren vor ihren Schülern stand und sich noch aus beruflichen Gründen mit Computern und Internet auseinandersetzen musste. „Zudem dachte ich, dass es nur so sinnlose Baller- und Hüpfspiele gibt“, ergänzt die Rentnerin. Ihre Enkelin zeigte ihr dann eines Tages ein anspruchsvolles Quizspiel mit Fragen aus allen Wissensgebieten und Meyer war erstmals interessiert, ja, sogar begeistert: „Das war für mich eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung am Computer – auch für meine Familie. Spielen und Spaß haben und dabei gleichzeitig etwas lernen.“
Computerspiele – Gut für die Gesundheit
Die Ergebnisse der gerontologischen Forschung unterstützen die Nutzung von digitalen Spielen für ältere Menschen. Danach helfen Computerspiele, motorische und geistige Fähigkeiten zu trainieren. „Ältere Menschen können von Computerspielen enorm profitieren“, sagt Professor Christoph Klimmt vom Institut für Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“. „Computerspielen verbindet viele Senioren wieder enger mit ihren Enkeln“, ergänzt Klimmt. Elektronische Unterhaltung gehöre heute zur Lebensrealität der jungen Generationen. Darüber hinaus fördere die Bedienung der Computermaus die Feinmotorik, während Sportspiele den ganzen Körper beanspruchen.
Strategie- und Rollenspielen sorgen außerdem für frischen Wind in den grauen Zellen. Andrew Carle, Professor für Health Administration and Policy an der George Mason University in Washington, geht bei seinen Studien davon aus, dass sich das Gehirn ebenso trainieren lässt wie der Körper. Kein Wunder, dass das Thema in diesem Jahr auch auf der Kölner Computerspielmesse gamescom diskutiert wurde. Die Computerspiele-Industrie hat das Potential mittlerweile erkannt und bietet neuartige Konzepte an, die es ermöglichen, das Geschehen auf dem Bildschirm mit vollem Körpereinsatz zu lenken. Also der Gegenentwurf zum langen Sitzen mit anschließenden Rückenschäden oder Übergewicht durch zu wenig Bewegung.
Sportmediziner und Orthopäden sehen darin eine positive Entwicklung: „Bewegung vor dem Bildschirm hat durchaus positive Effekte“, bestätigt Dr. Bruno Schweigert, Chefarzt der Orthopädie am Ortenau Klinikum, das zu den 100 größten Arbeitgebern der Gesundheitsbranche in Deutschland gehört. „Natürlich sind Bewegungsspiele kein vollständiger Ersatz für sportliche Aktivitäten“, ergänzt der Mediziner. „Wir dürfen allerdings auch nicht die Augen vor der Tatsache verschließen, dass elektronische Unterhaltung mehr und mehr zur Lebensrealität vieler Menschen gehört.“
Die Wii fest im Griff – Spielspaß im Seniorenheim
In vielen Seniorenzentren ist sie längst Gang und Gäbe: Die Wii, eine der Spielkonsolen, mit der man Spiele durch Bewegung und Geschick lenkt. Und nicht nur das, sie dient auch zur Unterhaltung im sonst so tristen Alltag der älteren Herrschaften. Den Senioren macht es sichtlich Spaß, wenn sie mit der Wii, zum Beispiel beim Bowling, den Rekorden hinterher jagen. Die Senioren brauchen keine echte Bowlingkugel anheben. Sie müssen lediglich die weiße Fernbedienung in die Hand nehmen, die Schlaufe am Handgelenk festzurren und sich in Position bringen. Auf dem Bildschirm oder einer Leinwand ist eine Bowlingbahn zu erkennen, auf der sich durch eine geschickte Armbewegung eine virtuelle Bowlingkugel auf den Weg macht, die Kegel abzuräumen.
Warum nicht mit anderen Senioren in den Wettkampf treten? Das dachten sich Josef Kiener und Markus Deindl, zwei Studenten des Studiengangs „Soziale Arbeit“ der Hochschule München, Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften. Aus ihrer Idee entstand die Wii Sports Bowling Seniorenmeisterschaft, die bereits dreimal unter dem Motto „Senioren an die Konsolen“ stattfand, zuletzt im September 2010. „Wir haben uns für die Wii Konsole von Nintendo entschieden, weil sie sich auch für ältere Menschen eignet, die keinerlei Erfahrung im Umgang mit Computer- oder Videospieltechnik haben“, sagen Deindl und Kiener.
Viele Senioren jenseits der 70 sind zudem motivierter zu kegeln, da es vom Bewegungsablauf weniger anstrengend ist als zum Beispiel Leichtathletik- oder Motorsportspiele. Kegeln mit der Wii kann aber mehr als nur Spaß bereiten. Es gibt Ergotherapeuten, die die Konsole mittlerweile zu Therapiezwecken verwenden. Die Patienten können so einfach und spielerisch Bewegungsabläufe trainieren. Das Ergebnis sind wesentlich lockerere und geübtere Bewegungsabläufe. Vor allem Schlaganfall- und Demenzpatienten profitieren hiervon. Mittlerweile haben auch andere Firmen das Potential dieser Spielkonsolenn erkannt. So bringen Ende 2010 auch Sony (Playstation Move) und Microsoft (Kinect) ähnliche Produkte auf den Markt.
Der erste Computer – Kleiner Ratgeber für Senioren
Damit das Spielvergnügen losgehen kann, brauchen Sie eine Spielekonsole oder einen Computer. Hier einige Tipps für Anfänger, die sich noch nicht mit der Computerwelt auskennen:
- Es gibt für ältere Menschen eigens konzeptionierte Computer- und Internet-Kurse. Die örtlichen Volkshochschulen bieten zum Beispiel kompetente Lösungen an. Hier sollten sie sich informieren und eventuell Preise vergleichen. Am kostengünstigsten ist es natürlich, sie lassen es sich von Kindern, Enkeln, Neffen oder Nichten erklären.
- Ob Sie den Computer nun für Schreibarbeiten, E-Mails sowie Internet nutzen oder auch damit spielen möchten, es gibt ein paar Faktoren, auf die Sie achten und sich im Handel beraten lassen sollten. Dazu gehören:
- - die Beschaffenheit von Betriebssystem, Arbeitsspeicher und Grafikkarte
- Netzwerkanschluss für schnelles Internet per DSL oder TV-Kabel
- ein WLAN-Modul für drahtloses Breitband-Internet
- ein großer Bildschirm, damit Sie alles gut sehen können
- eventuell interessant: eine Tastatur mit angewinkeltem Buchstabenfeld, die soll laut dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) die Gelenke und Sehnen schonen.
- Möchten Sie über in einem Online-Shop bestellen?
- - schauen Sie zuerst ob ein Impressum mit voller Anschrift und Nennung des Betreibers angegeben ist (Service-Telefonnummer inklusive)
- die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) sollten ebenso übersichtlich und klar formuliert sein wie die Formalitäten bezüglich Lieferzeiten und Versandkosten
Gratis und spannend: Online-Spiele
Es gibt mittlerweile einige bekannte Spiele, die Senioren mithilfe des Internets spielen können. Fünf Highlights haben wir für Sie zusammengestellt:
Solitär:
http://www.jetztspielen.de/spiel/spider-solitaire-2.html
Schach:
http://www.jetztspielen.de/spiel/3d-chest.html
Sudoku:
http://www.jetztspielen.de/spiel/sudoku-original.html
Schiffe versenken:
http://www.jetztspielen.de/spiel/classic-battleships.html
Wortsuche:
http://www.jetztspielen.de/spiel/wordhunt.html
Empfehlenswerte Websites zum Thema im Internet
http://www.spieleratgeber-nrw.de
Unter Anleitung erfahrener Medienpädagoginnen und -pädagogen werden gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aktuelle und interessante Computer- und Konsolenspiele erprobt und beurteilt. Im Unterpunkt „Spiele – Hintergrund“ gibt es sehr verständlich Details rund um Computerspiele – inklusive einem Fachwörter-Lexikon. Auch für Senioren hilfreich, die sich noch nicht so gut auskennen. Schließlich wollen Sie doch wissen, über was sich die Enkel so austauschen.
http://www.focus.de/digital/games/
http://www.spiegel.de/thema/computerspiele/
http://www.stern.de/digital/spiele/
Auch die drei großen Nachrichtenmagazine Deutschlands, Focus, Spiegel und Stern kommen am Thema Computerspiele nicht vorbei und berichten regelmäßig kompetent über aktuelle Entwicklungen. Dabei stellen sie auch neue Spiele vor.
http://www.gamestar.de/
Das Magazin Gamestar informiert erfahrene Spiele über aktuelle Entwicklungen auf dem Markt und neue Veröffentlichungen. Der gut strukturierte Online-Auftritt bietet neben News, Besprechungen, Tipps und Downloads auch ein überaus gut besuchtes Forum. Hier dreht sich alles um die Themen Computer, Internet, Spiele und sonstige Medien, jedoch gibt es auch einen eigenen Bereich Smalltalk, in dem auch über beliebige andere Themen diskutiert werden kann. Sie wollen den Enkeln die aktuellen Top-Hits kaufen? Gamestar veröffentlicht regelmäßig die Top-20 der am meisten verkauften Spiele im Hause Saturn.
Weiterführende Literatur
Nancy C. Muir, Marion Thomas: Computer für Senioren für Dummies, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, ISBN: 978-3527705139 (2009)
Stiftung Warentest: Schritt für Schritt ins Internet: PC-Schule für Senioren, Stiftung Warentest, ISBN: 978-3937880648 (2008)
Günter Born: Computer – leichter Einstieg für Senioren: Erobern Sie eine neue Welt!, Markt und Technik, ISBN: 978-3827244987 (2009)
Günter Born: Internet – leichter Einstieg für Senioren: E-Mail, Googeln, Einkaufen, Surfen, Markt und Technik, ISBN: 978-3827244956 (2009)
Günter Born: Notebook – leichter Einstieg für Senioren: 1×1 der Bedienung, Schreiben, Internet, Mobil, Markt und Technik, ISBN: 978-3827244970 (2009)
Hans-Dieter Brunowsky, Maximilian Kubenz: Opa, das kannst Du auch! Mein Enkel erklärt mir den Computer. Jetzt neu mit Windows 7, BrunoMedia Buchverlag, ISBN: 978-3980960755 (2010)
Philip Kiefer: Computer & Internet mit Windows 7 für Senioren, Data Becker, ISBN: 978-3815829936 (2009)
Mirko Müller, Jörg Schieb: Hilfe, mein Computer streikt: PC-Schule für Senioren, Stiftung Warentest, ISBN: 978-3868512021 (2009)
Mirko Müller, Jörg Schieb: Freunde finden im Internet: PC-Schule für Senioren, Stiftung Warentest, ISBN: 978-3868512052 (2009)
Georg Liebetrau: Senioren am PC: Computer + Internet, einfach für Einsteiger, Books on Demand, ISBN: 978-3837080018 (2009)


Großartiger Post. Kann nicht warten, den nächsten zu lesen:)